Osama, Alina, Maximilien und die anderen

Der zweite Tag beginnt ebenso bereichernd wie der erste angefangen hat: am Vormittag führt Fabien Gaffez, der Mitglied des Auswahlkomitees der Semaine de la Critique ist, in die hohe Kunst der Filmkritik ein – und das mit so viel Leidenschaft, dass auch unsere Jugendlichen Feuer fangen. Sie durchlöchern ihn mit Fragen zu seiner Arbeit und zu den am Vortag gesehenen Kurzfilmen. Wie werden die Filme eigentlich ausgewählt? Warum wurden sie in dieser Reihenfolge gezeigt?

Wusstet ihr zum Beispiel, dass nur Filme in Cannes ausgestrahlt werden, die Weltpremiere feiern? Allerdings besteht eine kleine Ausnahme für Filme, die ausserhalb Frankreichs produziert wurden. Die dürfen nämlich vorher einmalig (!) in ihrem jeweiligen Produktionsland gezeigt werden.

Wir enthüllen euch sicherlich auch kein Geheimnis, wenn wir euch sagen, dass Cannes ein wichtiges Sprungbrett für Regisseure ist. Aber, was macht eigentlich den Erfolg eines Films beim Publikum aus? Und was denken Jugendliche von der Filmkunst? Welche Kinogewohnheiten haben sie?

Osama

Osama zum Beispiel hat uns von Anfang an fasziniert. Der sympathische junge Mann syrischer Abstammung ist seit 2014 in Frankreich. Er drückt sich in einem beeindruckend guten Französisch aus, das er sehr schnell erlernt hat, und berichtet bereitwillig über seine zahlreichen Interessengebiete. Zum Beispiel, dass er gerne Deutsch und Spanisch lernen möchte, um eines Tages ein « Arabisch-Deutsch-Französisch-Englischsprechender » zu werden. « Das Wort habe ich erfunden », erklärt er uns mit einem großen Lächeln.

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Was uns am meisten beeindruckt, ist seine Leidenschaft für die Filmkunst. Er ist ein wahrer Filmliebhaber. Mindestens einmal die Woche geht er ins Kino. Die größte Herausforderung ist dabei für ihn, die richtige Wahl zu treffen, denn « 70 % aller Filme sind gleich. Was mich interessiert, sind die restlichen 30 %. » Aber was sind das für Produktionen, die den 16-Jährigen ansprechen? Biopiks und Autobiographien zum Beispiel, oder auch Stummfilme, denn bei denen « zeigen die Gefühle die Idee dahinter. Es reicht schon aus, ein Gesicht zu sehen, um zu wissen, was geschieht, dazu braucht man keine Worte. »

Seit seiner Teilnahme an einem vom DFJW organisierten Workshop 2015 im Rahmen der Tübinger Filmfesttage verbindet ihn auch eine enge Freundschaft mit einem der anwesenden Teamer. Seither schauen sich die beiden zusammen Filme an und bringen sich gegenseitig Arabisch bzw. Französisch bei. Geteilte Leidenschaft ist doppelte Leidenschaft!

Alina

Für Alina aus Hannover spiegelt sich die Begeisterung für Musik auch in ihren Kinogewohnheiten wieder. Das junge Mädchen spielt seit 10 Jahren Klavier und besucht den Musik-Leistungskurs. Wenn sie im Internet das Kinoprogramm recherchiert, dann interessiert sie sich vor allem für die Cover, Trailer und die Filmmusik. Denn für die 16-Jährige ist es sehr wichtig, dass die Musik den Inhalt widerspiegelt.

Maximilien

Was Maximilien angeht, so hat er seine Vorliebe fürs Kino entdeckt, als er seinen besten Freund kennenlernte, der « aus einer Familie mit echten Filmemachern » stammt. Alles begann damit, als sie gemeinsam La Haine angeschaut haben. Seine Eltern erklärten ihm anschließend einige filmische Grundbausteine, wie zum Beispiel Kameraführung oder Schauspiel, aber auch, wie man Kino am besten lebt, denn « für uns geht es dabei nicht nur um eine Geschichte, die erzählt wird, sondern darum, seine neue Facette der eigenen Persönlichkeit freizusetzen. » Für den Schüler gilt das Motto: « Ein Film wird nicht geschaut, er wird gelebt ».

Um seine Leidenschaft weiter zu pflegen, tauscht er sich regelmäßig mit seinen Freunden nach Kinobesuchen aus… und nimmt an unserem Filmworkshop teil!

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