Frankreich und Kino, l’amour pour toujours

Könntet ihr uns ohne Probleme 5 französische Filme aufzählen? Bestimmt! Ob man dasselbe von den Franzosen und deutschen Filmen behaupten kann?

Irgendwie scheinen uns unsere französischen Nachbarn etwas vorauszuhaben. Ihre Liebe zum Kino hat eine lange Geschichte und durchzieht nahezu alle Ebenen der Gesellschaft. Ihre „amour pour le cinéma“, ihrer Liebe für das Kino, spiegelt sich auch perfekt in einem eigens dafür etablierten Begriff wider: die „Septième art“, die „7. Kunst“. Der Ausdruck zeigt bereits, dass das Kino in Frankreich als vollwertige Kunstgattung gilt. In Deutschland hingegen betrachtet man es eher als gehobene Form der Unterhaltung.

Dies ist sicherlich vor allem geschichtlich bedingt, denn Frankreich spielte bei der Entwicklung und Etablierung des Mediums eine wichtige Rolle? Vielleicht sagt euch ja der Name der Brüder Louis und Auguste Lumière etwas, oder auch Georges Meliès, oder Charles et Émile Pathé? In Frankreich kennt sie jedes Kind. Auch wenn sie strenggenommen das Kino nicht allein erfunden haben, so setzen sie doch Meilensteine bei Filmaufnahme- und Projektionsverfahren, Filmausstattung- und –produktion und in der Entwicklung des narrativen Films

L’arrivée d’un train en gare de La Ciotat (Ankunft eines Zuges in La Ciotat, 1895).

Trotz der Nüchternheit der Szenen werden diese Filme zur absoluten Sensation. Viele Zuschauer sind vom Herannahen des Zuges –  geradewegs auf die Kamera zu – geschockt und flüchten von ihren Sitzen, da sie nicht zwischen Abbild und Wirklichkeit unterscheiden können.

Maßgeblich zum Erfolg trugen sicherlich auch die in den 1950er Jahren in Paris entstandenen Filmclubs bei, ebenso die zahlreichen Filmzeitschriften wie die bekannte, auch heute immer noch erscheinende Cahiers du Cinéma. Die allgemeine Kinobegeisterung wurde so schnell zu einem Massenphänomen innerhalb der französischen Gesellschaft.

Unser nächstes Stichwort ist gefallen: die soziale Einbindung! Denn die Vorliebe für die große Leinwand wird schon von klein auf vermittelt. Wusstet ihr zum Beispiel, dass in den 1980er Jahren das Schulwahlfach „Film und audiovisuelle Medien“ eingeführt wurde? So können sich französische Schüler auch heute noch drei Jahre lang mit Filmen auseinandersetzen und sogar selbst Kurzfilme drehen.

Kein Wunder also, dass 30% aller Kinobesucher unter 25 sind. Rund 5,4 Filme sehen die Franzosen übrigens jährlich im Schnitt im Kino, in Deutschland sind es gerade einmal 1,8 Filme pro Einwohner. Mit rund 213 Millionen Kinobesuchen pro Jahr erfreut sich das französische Kino in der Tat eines regen Publikumszupruchs, und das bei Jung und Alt. Laut Angaben der UNESCO belegte Frankreich in den Jahren 2007 bis 2009 bei den Kinobesuchen hinter Indien, den USA und China den vierten Platz weltweit. In den zwei Jahren zuvor sogar den Dritten.

Und damit man durch regelmäßige Kinobesuche nicht in den Ruin getrieben wird, gibt es in Frankreich Kino-Abos, die es in Deutschland in dieser Form nicht gibt (schade!). Das sind Karten, die es den Besitzern ermöglichen, für ca. 25 Euro pro Monat so viele Filme anzusehen, wie es die Freizeit zulässt. Natürlich, auch hier, mit einem Sonderpreis für Jugendliche!

Damit so viele Besucher aber auch jährlich in die französischen Kinos strömen, bedarf es natürlich auch einer gewissen Qualität und Attraktivität. Hier sind wir also bei den kulturellen und bildungspolitischen Argumenten angelangt: Die 1946 gegründete und unter der Leitung des Kulturministeriums stehende staatliche Filmförderungsinstitution Centre national du cinéma et de l’image animée (CNC) ist bis heute die wichtigste Institution zur Subventionierung und Steuerung der französischen Filmindustrie. Diese „Exception française“ (Deutsch: kulturelle Ausnahme), also das Engagement des französischen Staates im Kultur-und Medienbereich, sichert somit den Fortbestand einer autonomen, international renommierten Filmindustrie. Die Förderpolitik hat dazu geführt, dass sich der französische Film behauptet und Marktanteile gewonnen hat. Lag der Anteil der einheimischen Filme in Frankreich 2003 noch bei 34,9%, so ist er 2012 auf 40,2% angewachsen.

Letztlich darf auch die Bedeutung der rund 200 Filmfestivals nicht vergessen werden, die jährlich in Frankreich und im Ausland stattfinden. So gelten beispielsweise die 1946 gegründeten Internationalen Filmfestspiele von Cannes mit rund 900 Filmvorführungen, 30.000 Fachleuten und mehr als 200.000 Besuchern als das weltweit bedeutendste Filmfestival. 
Und wir sind mit dabei!

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